Ostererfahrungen: Petrus erzählt
von Pfarrer Frank Briesemeister Ostern 2020

Eine gesegnete Osterzeit wünsche ich allen!

Ich freue mich, wenn Sie sich für meine Erfahrungen interessieren. Mittlerweile schaue ich auf einige Osterfeste zurück. Und noch immer ist mir der Anfang von allem präsent. Daran möchte ich Sie teilhaben lassen.

Dazu müssen Sie wissen, ich bin Petrus, einer aus dem engeren Jüngerkreis Jesu. Hautnah war ich damals dabei als die Angst wie ein krankmachender Erreger, uns am letzten gemeinsamen Abend zunehmend fester in den Griff bekam. Unsicherheit und Verzweiflung machten sich breit wie ein Virus.
Das Befreiungsfest Gottes, das Passahfest, wollten wir feiern. Stattdessen sprach Jesus von Verrat. Dass sein Blut fließen und er von uns gehen wird. Unmöglich, dachte ich. Das werde ich zu verhindern wissen. Dem Brot, das er uns reichte und dem Wein gab er eine neue Deutung. Verstanden hat sie von uns zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Alles schien so unwirklich.

Später nahm Jesu mich mit in den Garten Gethsemane. Obwohl die Angst in seinem Gesicht geschrieben stand und sich in seinem Inneren Dramen abge-spielt haben, konnte und wollte ich das nicht wahrhaben. Ich habe mich einfach dem Schlaf hingegeben. Obwohl sich die Lage immer mehr zuspitzte. Heute weiß ich, wie gut der Abwehrmechanismus meiner Seele funktioniert. Was mich belastet, was ich als unangenehm und schmerzlich empfinde, verbanne ich am liebsten aus meinem Bewusstsein.

Schließlich haben sich die Ereignisse überschlagen. Jesus wurde verhaftet. Die Hohenpriester mit der Tempelpolizei machten kein langes Federlesen. Jesus wurde Pilatus überstellt. Ich selbst war auf einmal klein mit Hut. Was hatte ich vorher für Reden geschwungen. Jesus alle Treue geschworen. Und dann … nichts von alldem habe ich gehalten. In die Hose habe ich mir gemacht, als man mit dem Finger auf mich zeigte: „Du bist doch auch einer von denen, die mit Jesus zu tun haben!“

„Was? Nein! Ich doch nicht!“. Ich hatte nichts Besseres zu tun, als alles abzu-streiten. Ganz schnell habe ich mich aus dem Staub gemacht. Ich bin gelaufen und gelaufen bis ich nicht mehr konnte. Als ich wieder zu Verstand kam, brach es aus mir heraus. Ich weinte bitterlich – über mich und was ich erlebt hatte. Mit einem Male wusste ich: Meinem Leben kann ich nicht entfliehen. Eine Einsicht, die mir in den nächsten Stunden immer deutlicher vor Augen stand, als Jesus verhaftet, verurteilt und hingerichtet wurde.

In den nächsten Tagen steigerte sich meine Angst zur Panik. Das Bild bekam ich nicht aus dem Kopf: Jesus, wie er mit gebrochenem Körper am Kreuz hing und mit einem Röcheln sein Leben aushauchte. Ich fiel in eine Art Schockstarre. Jetzt war alles aus und vorbei. Nichts war mehr wie es einmal gewesen war. Sinnlos und leer kam mir alles vor.
Fassungslosigkeit und Entsetzen herrschten auch in unserem kleinen Jünger-kreis. Heimlich trafen wir uns. Manchmal redeten wir pausenlos über das eine Thema: ‚Er ist nicht mehr da!‘. Und dann wieder erfasste uns große Sprachlo-sigkeit aus. Wir verstummten angesichts der Ereignisse.

Die einzigen Mutigen unter uns waren die Frauen. Sie wagten erneut den Weg zum Grab, obwohl sie damit rechnen mussten, selbst verfolgt zu werden. Sie wollten Jesus noch einmal Gutes tun. Dem Toten gegenübertreten und nicht einfach davonlaufen. Ihn salben, ihm die letzte Ehre erweisen. Doch dann kamen die Frauen aufgeregt zu uns zurückgerannt: „Das Grab ist leer. Wir haben nur einen jungen Mann angetroffen. ‚Jesus ist nicht hier‘, hat er gesagt. Ihr werdet ihn in unserer Heimat treffen, in Galiläa! Wir sind völlig verwirrt“.

In unseren Ohren klang das wie törichtes Gerede. Wahrscheinlich war mit ihnen die Phantasie durchgegangen, reines Wunschdenken, pure Illusion … Und doch bin ich selbst losgezogen. Wollte mich mit eigenen Augen überzeugen. Tatsächlich war Jesus nicht aufzufinden. Der Stein vor dem Grab war zur Seite gerollt. Wo Jesus seinen letzten Ruheort gefunden hatte, lagen die Leinentücher. Nur das Schweißtuch war zusammengewickelt und lag abseits. Als hätte es jemand bewusst dorthin gelegt. Jesus selbst? Ich dachte nur: „Das kann doch alles gar nicht möglich sein.“ In dem Moment wusste ich gar nicht mehr, was ich denken, fühlen, glauben sollte.

Es war ein längerer Prozess, bis aus dem Virus der Verzweiflung ein Keim der Hoffnung wurde. Erst nach und nach wuchs in mir neues Vertrauen. Ich ver-stand: Das Leben hat einen längeren Atem als Vernichtung und Tod. Niemand muss traurig und verloren bleiben, nichts dem endgültigen Untergang geweiht sein. Weil im Letzten die Kraft der Liebe Gottes selbst Verunsicherung, Ängste und Nöte überwindet. Mit einem Mal habe ich die Worte Jesu verstanden:
„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost,
ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16,33)

Das Leben blieb zunächst das gleiche. Jesus fehlte mir und damit Orientierung. Ich machte mir um meine Zukunft Sorgen. Doch indem ich zu Gott betete, vertrauensvoll mit ihm sprach, konnte ich mich meinen Gefühlen aussetzen und sie aushalten. Auf diese Weise brach sich Neues Bahn. Je mehr ich mich öffnete, umso stärker erfuhr ich die Kraft des Auferstandenen. Gottes Freund-lichkeit wirkt weiter, das ist für mich deutlich zu spüren, trotz aller Widrigkeiten – bis heute.

Mögen Sie Ähnliches in Ihrem Leben erfahren!
Seien Sie behütet

Ihr Petrus


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